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Veranstaltungen

 
Sonntag, 25. Februar 2024, 15 Uhr

Ökumenischer Gottesdienst zum zweiten Jahrestag des russischen Überfalls auf die Ukraine

Am frühen Morgen des 24. Februar 2022 überfielen auf Befehl von Präsident Putin Streitkräfte der Russischen Föderation die Ukraine – bis heute dauern die Kämpfe an. Zum zweiten Jahrestag gedenken wir der Zehntausende Kriegsopfer und der Millionen vor dem Krieg Geflüchteten. Wir erinnern an das Leid, das dieser verbrecherische Angriffskrieg auch über hochbetagte Menschen bringt, die den deutschen Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion, Besatzungsterror, Zwangsarbeit und Holocaust überlebt hatten. Besonders denken wir an die nun abermals gefährdeten Überlebenden des Konzentrationslagers Dachau, an unsere früheren Freiwilligen von Aktion Sühnezeichen Friedens-dienste (ASF) aus der Ukraine und ihre Familien.

Im Gottesdienst berichtet Vira Zolotar, Tochter des ukrainischen KZ-Dachau-Überlebenden Volodymyr Dschelali (1925-2020), über den russischen Angriff auf ihre Heimatstadt Mariupol, ihre schwierige Flucht nach Deutschland und ihr Leben als eine der etwa 1.500 ukrainischen Kriegsflüchtlinge im Landkreis Dachau. Die Musikpädagogin hatte ihren Vater mehrfach zu Zeitzeugengesprächen bei der Internationalen Jugendbegegnung Dachau begleitet und ebenso am 27. Januar 2018, als er im völlig überfüllten Foyer des Dachauer Rathauses bei der Gedenkfeier für die Opfer des National-sozialismus sprach. Die Präsentation des ihm im Projekt „Gedächtnisbuch für die Häftlinge des KZ Dachau“ gewidmeten Gedächtnisblattes erlebte der Zeitzeuge 2021 leider nicht mehr.
 
Elena Petuhova erzählt von ihren bewegenden telefonischen Kontakten zu den drei KZ-Dachau-Überlebenden Iwan Kutschmin, Pavlo Scharun und Vasyl Volodko. Die junge Politikwissenschaftlerin aus der Russischen Föderation nahm im Frühjahr 2023 als Mitarbeiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau Verbindung zu den in der Ukraine vom Krieg bedrohten Zeitzeugen auf und initiierte eine Spenden-aktion. Heute setzt sie ihr Engagement ehrenamtlich fort.
 
Iwan Kutschmin ist inzwischen am 26. August 2023 in Charkiw im Alter von 97 Jahren eines natürlichen Todes gestorben. Pavlo Scharun (96) und Vasyl Volodko (99), beide leiden unter massiven gesundheitlichen Einschränkungen, werden weiterhin unterstützt, auch durch das Maximilian-Kolbe-Werk, für dessen Ukraine-Nothilfe die Versöhnungskirche seit dem russischen Überfall Spenden sammelt.
 
Die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes übernimmt das junge ensemble quintessenz, das aus einem Quintett des Dachauer Ignaz-Taschner-Gymnasiums hervorgegangen ist: Julia Neumann (Geige), Eva Reisky (Geige), Jutta Wörther (Bratsche, Leitung), Tizian Foidl (Cello) und Leopold Floß (Piano). Es erklingen auch Werke von ukrainischen Komponisten. Den Gemeindegesang begleitet der Organist Franz Werner.

Ort: Evangelische Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau


 
 
Donnerstag, 29. Februar 2024, 19:00 Uhr

Hitlers außergewöhnlichster Nachbar
Buchpräsentation mit Ulrich Chaussy

Bei der Recherche über das Dorf Obersalzberg, den Wohnort und zweiten Regierungssitz Hitlers in der Nähe von Berchtesgaden, stößt Ulrich Chaussy auf Arthur Eichengrün (1867 –1949). Wer war dieser vergessene jüdische Nachbar Hitlers? Der Chemiker war Forscher, Erfinder und Unternehmer in Personalunion. Er synthetisierte Kokain und wir verdanken ihm das Aspirin. Er erfand den unbrennbaren Kinofilm und revolutionierte den Bau der stoffbespannten Flugzeuge und Zeppeline. Ab 1933 galten all seine Verdienste nichts mehr. Er verlor allen Besitz. Plötzlich ist der assimilierte Patriot nur noch eines: Jude, deportiert ins Ghetto Theresienstadt.

Ulrich Chaussy, der durch seine akribischen Recherchen zum rechtsterroristischen Oktoberfest‑Attentat
bekannte Journalist und Sachbuchautor, schreibt mit seinem neuen Buch Arthur Eichengrün zurück ins kollektive Gedächtnis. Im Herbst 2023 erscheint im Verlag Herder „Arthur Eichengrün – Der Mann, der alles erfinden konnte, nur nicht sich selbst“.
 
Veranstalter: Evangelische Versöhnungskirche in der KZ‑Gedenkstätte Dachau
 
Ort: Evangelische Versöhnungskirche in der KZ‑Gedenkstätte Dachau (Zugang am Abend nur über Karmel Heilig Blut, Alte Römerstraße 91, 85221 Dachau)

 
 
 
Jeden Freitag | 12.30 Uhr

Ökumenisches Versöhnungsgebet
unter dem Nagelkreuz von Coventry

Jeden Freitag laden wir zum ökumenischen Versöhnungsgebet unter dem Nagelkreuz von Coventry ein. Vom englischen Coventry, dessen Kathedrale im November 1940 von deutschen Bombern zerstört wurde, ging schon im Krieg der Ruf zur Versöhnung aus. Zum Symbol wurde das Kreuz, das aus drei mittelalterlichen Nägeln aus den Ruinen geformt wurde. Heute gibt es weltweit mehr als 240 Nagelkreuzzentren, die in diesem Geist für Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung arbeiten und so eine lebendige Erinnerungs- und Erzählgemeinschaft bilden.

Am 8. Mai 2012, dem Jahrestag des Kriegsendes in Europa, hat Canon (Domkapitular) David Porter von der Kathedrale von Coventry, die 1940 von deutschen Bombern zerstört wurde, ein Nagelkreuz von dort für die Ökumenische Gemeinschaft der Evangelischen Versöhnungskirche und der Katholischen Seelsorge in der KZ-Gedenkstätte Dachau überbracht. Wir sind damit Teil der weltweiten Nagelkreuzgemeinschaft.

Jeden Freitag um 12.30 Uhr laden wir zum Versöhnungsgebet von Coventry in die Versöhnungskirche ein!


Links:
Nagelkreuzgemeinschaft

Dokumente:
Pressebericht von der Übergabefeier des Nagelkreuzes
Predigt von Canon David Porter am 8. Mai 2012 bei der Übergabe des Nagelkruzes