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Veranstaltungen

 
Sonntag, 22. Mai 2022 / 15 Uhr

Religiöse Erinnerungsorte in der KZ-Gedenkstätte Dachau -
Rundgang im Freien

Dachau ist bis heute ein Synonym für den menschenverachtenden NS-Unterdrückungsapparat, „ein Bezirk, dessen Boden uns durch die Sohlen brennt, auch wenn wir ihn nie betreten haben“ (Ulrich Conrads). Ausgehend von den Erfahrungen der im KZ Dachau inhaftierten Geistlichen gab es bereits kurz nach der Befreiung Planungen, das Lagerareal christlich zu prägen. Zwischen 1960 und 1967 entstanden die katholische Todesangst-Christi-Kapelle, der Karmel Heilig Blut, die jüdische Gedenkstätte und die evangelische Versöhnungskirche. Dazu kam 1994/95 die russisch-orthodoxe Christi-Auferstehungs-Kapelle. Der Rundgang stellt Geschichte und Symbolik der religiösen Bauten vor.

Kooperation: Evangelische Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte, Landesverband Israelitischer Kultusgemeinden in Bayern, Russisch-Orthodoxe Gemeinde der Auferstehung Christi in Dachau und München (Moskauer Patriarchat)

Beginn an der Todesangst-Christi-Kapelle


 
Donnerstag, 2. Juni 2022 / 19.30 Uhr

Ethik des Erinnerns - Ethik des Widerstands

„Das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung“ sagt der Talmud. Erinnern ist dabei nicht nur eine Bewegung in die Vergangenheit, sondern es ist darauf ausgerichtet, möglichst genau zu verstehen, wodurch sich Schicksale entscheiden, wie Konflikte und Unheil entstehen. Nur wer sich erinnert, ist fähig zu lernen und für Gegenwart und Zukunft verantwortungsbewusste Entscheidungen zu treffen.

Wird Erinnerung so verstanden, kann sie zur wertvollen Quelle für eine Ethik des Widerstands werden. Der Widerstand wird erst dann zu einer Tugend, wenn er nicht einfach ein Mangel an Loyalität, Eidtreue und Gehorsam ist, sondern aus der Tiefe einer Gewissensentscheidung kommt. Widerstand und Loyalität sind als sich wechselseitig ergänzende Gegenpole zu denken, die beide ihre Berechtigung und Notwendigkeit haben. Erst im situationsspezifischen Ringen darum, welcher Aspekt jeweils Priorität hat, gewinnen sie ihre ethische Qualität und alltagspraktische Relevanz.

Referent: Prof. Dr. Markus Vogt, Lehrstuhl für Christliche Sozialethik an der Ludwig-Maximilians-Universität München

Kooperation: Evangelische Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte

Ort: Evangelische Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte, Zugang über Karmel Heilig Blut (Alte Römerstraße 91, Dachau)


 
Sonntag, 12. Juni 2022 / 9 Uhr

Gedenktag für die Seligen Märtyrer von Dachau – Gottesdienst mit
Erzbischof Reinhard Kardinal Marx

Über 200.000 Menschen waren in der Zeit von 22. März 1933 bis zur Befreiung am 29. April 1945 im Konzentrationslager Dachau inhaftiert, mehr als 41.000 sind dort umgekommen bzw. ermordet worden. Die katholische Kirche hat bisher 57 von ihnen wegen ihres besonderen Lebens- und Glaubenszeugnisses zu Seligen erklärt. 40 von ihnen haben in diesem Jahr ihren 80. Todestag. Einer von ihnen, der Karmelit Titus Bransma, wurde am 15. Mai von Papst Franziskus in Rom heiliggesprochen.

Um die Erinnerung an diese Glaubenszeugen im Bewusstsein zu halten und mit ihrem Lebenszeugnis die Gläubigen zu ermutigen, ist im Jahr 2017 der Gedenktag am 12. Juni in den Diözesankalender von München und Freising aufgenommen worden. Mit einer Eucharistiefeier in der Todesangst-Christi-Kapelle, dem der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Kardinal Marx, vorstehen wird, wird dieser Seligen am Ort ihres Martyriums gedacht.

Ort: Todesangst-Christi-Kapelle auf dem Geländer der KZ-Gedenkstätte Dachau


 
Donnerstag, 16. Juni 2022 / 9 Uhr

Fronleichnam – Hochfest des Leibes und Blutes Christi
Eucharistiefeier mit Prozession und Statio am Block 26 und in der Todesangst-Christi-Kapelle

Das Festgeheimnis von Fronleichnam – die reale Gegenwart Jesu Christi in der Gestalt von Brot und Wein – dürfte für die in Dachau inhaftierten katholischen Gläubigen, zumal die Geistlichen unter ihnen, von ganz besonderer Bedeutung gewesen sein. Zwar lebten und litten sie im Lager in einer geradezu gottlosen Welt; gleichzeitig war ihnen das Wissen um die Nähe und Gegenwart des Auferstandenen im Tabernakel der Kapelle von Block 26 ein umso größeres Zeichen von Trost, Stärkung und Hoffnung.

Ort: Klosterkirche des Karmel Heilig Blut, Alte Römerstraße 91, Dachau


 
Mittwoch, 22. Juni 2022 / 17 Uhr

Gedenkveranstaltung für die auf dem SS-Schießplatz Ermordeten

Am 22. Juni 1941 begann mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht der Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion. Soldaten der Roten Armee, die in deutsche Gefangenschaft gerieten, wurden in Kriegsgefangenenlager des Reichsgebiets gebracht. Unter Missachtung völkerrechtlicher Bestimmungen wurden kommunistische Funktionäre, Intellektuelle und Juden in Konzentrationslager transportiert und von der SS ermordet. Im KZ Dachau wurden sowjetische Kriegsgefangene meist unmittelbar nach ihrer Ankunft getötet. Zwischen Oktober 1941 und Sommer 1942 führte die Lager-SS Massenexekutionen an über 4.000 Kriegsgefangenen auf dem Schießplatz Hebertshausen durch.

Eventuelle Änderungen bzw. nähere Informationen unter www.foerderverein-dachau.de

Veranstalter: Förderverein für Internationale Jugendbegegnung und Gedenkstättenarbeit in Dachau e.V

Ort: Ehemaliger Schießplatz Hebertshausen, Zugang über Freisinger Straße 124 (Dachau) oder Akazienring (Hebertshausen)


 
Sonntag, 26. Juni 2022 / 11 Uhr

Wegen einer Predigt ins KZ Dachau – Gottesdienst zur Erinnerung an den widerständigen Pfarrer Wolfgang Niederstraßer

Vor 80 Jahren protestierte Wolfgang Niederstraßer in der evangelischen Kirche von Warmensteinach (Fichtelgebirge) gegen das christentumsfeindliche NS-Regime. Schon in den Jahren zuvor übte er Kritik. Doch diese Predigt brachte ihn letztlich 1945 ins KZ Dachau – als einzigen Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Im Gottesdienst würdigt mit Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm erstmals ein Mitglied der Kirchenleitung Niederstraßers Widerstand öffentlich und thematisiert, warum dies erst so spät geschieht. Niederstraßer hatte nach dem Krieg gefordert, seine Kirche müsse sich konkret zu ihrer Schuld bekennen.

An der liturgischen Gestaltung des Gottesdienstes beteiligt sich zusammen mit der Evangelischen Versöhnungskirche auch die Katholische Seelsorge an der KZ-Gedenkstätte. Nach dem Gottesdienst spricht Kulturstaatsministerin Claudia Roth ein Grußwort.

Ort: Evangelische Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau


 
Sonntag, 3. Juli 2022 / 16 Uhr

Verabschiedung 2.0 von Diakon Klaus Schultz –
Lesung aus Max Mannheimers Erinnerungen

Die Corona-Pandemie hat 2020 und 2021 die Verabschiedung von Diakon Klaus Schultz leider nicht möglich gemacht. Sie soll nun nachgeholt werden, um seinen 23 Jahre währenden Dienst in der Evangelischen Versöhnungskirche angemessen zu würdigen. Zum Abschied gibt es ein ökumenisches Coventry-Gebet, eine Lesung von Sr. Elija Boßler (Karmel Heilig Blut) aus Max Mannheimers Autobiographie „Drei Leben“ und einen Empfang.

Veranstalter: Evangelische Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau

Ort: Evangelische Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau


 
Mittwoch, 6. Juli 2022 / 19.30 Uhr

Briefe aus dem KZ Dachau – Korrespondenz zwischen Johannes Neuhäusler und Kardinal Michael von Faulhaber (1941–1945)

Der Vortrag nimmt die wechselseitigen Korrespondenzen zwischen Kardinal Michael von Faulhaber und Johannes Neuhäusler (1888 – 1973) während dessen Internierung im Konzentrationslager Dachau zwischen 1941 und 1945 in den Blick. Der Münchener Diözesanpriester und spätere Weihbischof (ab 1947) Johannes Neuhäusler war in seiner Funktion als kirchenpolitischer Referent des Erzbistums München und Freising ab 1933 hauptverantwortlich für die Kommunikation mit den staatlichen Stellen des Dritten Reiches. Nach seiner vierjährigen Inhaftierungszeit in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Dachau nahm er sich in seiner 1946 erschienenen Dokumentation „Kreuz und Hakenkreuz“ der Verteidigung der Haltung der Katholischen Kirche im Dritten Reich an. Die Korrespondenz zwischen Neuhäusler und Kardinal Faulhaber erstreckte sich dabei über den Großteil der Internierungszeit Neuhäuslers im KZ Dachau.

Referent: Fabian Flohr, Doktorand im Fach Kirchengeschichte des Mittelalters und der Neuzeit an der Ludwig-Maximilians-Universität München

Kooperation: mit dem Dachauer Forum e.V. und der Pfarrei St. Jakob Dachau

Ort: Pfarrheim St. Jakob / Jakobuszimmer, Pfarrstraße 7, Dachau


 
Dienstag, 12. Juli 2022 / 19.30 Uhr

In memoriam Wilm Hosenfeld / Konzertlesung zum 70. Todestag des Retters des jüdischen Pianisten Władysław Szpilman

Vor 20 Jahren kam der Film „Der Pianist“ in die Kinos, der nicht nur an das Verfolgungsschicksal des jüdischen Pianisten Władysław Szpilman erinnerte, sondern auch an seinen Retter, den deutschen Wehrmachtsoffizier Wilm Hosenfeld. 1944 versorgte Wilm Hosenfeld den Musiker in seinem Versteck mit Lebensmitteln. Der Hauptmann, im Zivilberuf Lehrer, war als Sportoffizier im Zweiten Weltkrieg in Warschau stationiert, wo er weitere NS-Verfolgte rettete. Bei Kriegsende geriet er in sowjetische Kriegsgefangenschaft, in der er am 13. August 1952 im Alter von 57 Jahren starb. Posthum wurde er 2008 von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem als „Gerechter unter den Völkern“ geehrt.

Wenige Wochen vor dem 70. Todestag von Wilm Hosenfeld liest in Dachau seine Tochter Dr. med. Jorinde Krejci, geboren 1932 als Jorinde Hosenfeld, aus Briefen und Tagebuchaufzeichnungen ihres Vaters, die seine Entwicklung vom NSDAP-Mitglied zum Gegner des Regimes widerspiegeln. So notierte der Katholik am 16. Juni 1943 in Warschau angesichts der deutschen Verbrechen in sein Tagebuch: „Eine untilgbare Schande, einen unauslöschlichen Fluch haben wir auf uns gebracht. Wir verdienen keine Gnade, wir sind alle mitschuldig. Ich schäme mich, in die Stadt zu gehen, jeder Pole hat das Recht, vor unsereinem auszuspucken.“ Und an seine Familie schrieb er am 23. August 1944: „Ich versuche, jeden zu retten, der zu retten ist.“ Jorinde Krejci spricht auch über ihre Erinnerungen an ihren Vater, den sie 1944 bei einem Heimaturlaub zum letzten Mal sah. Da ihre Mutter und ihre vier Geschwister inzwischen verstorben sind, ist sie die letzte Zeitzeugin aus der Familie Hosenfeld.

Am Abend bringen Julia Neumann (Violine), Eva Reisky (Violine), Jutta Wörther (Viola und Leitung), Tizian Foidl (Violoncello) und Leopold Floß (Piano) Werke zu Gehör, die für Wilm Hosenfeld und Władysław Szpilman von besonderer Bedeutung waren. Der Zugang ist an dem Abend nur von 19.00 bis 19.30 Uhr über den Hof des Klosters Karmel möglich, Alte Römerstraße 91. Gäste dürfen den Klosterparkplatz nutzen.

Kooperation: mit der Evangelischen Versöhnungskirche

Ort: Evangelische Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau


 
Jeden 1. Freitag im Monat | 14.30 Uhr

Gebet in der Todesangst-Christi-Kapelle

Die Katholische Seelsorge an der KZ-Gedenkstätte und der Karmel Heilig Blut laden jeweils am 1. Freitag im Monat, 14.30 Uhr, in die Todesangst-Christi-Kapelle zum Gebet ein.
Im Mittelpunkt dieser Andachten stehen das Gedenken an ehemalige Häftlinge des Konzentrationslagers und das Gebet um Versöhnung, Frieden und Gerechtigkeit.
Die Andacht bezieht jeweils mit einer Stille das Läuten der Glocke an der Kapelle gegen 14.50 Uhr ein und mündet für alle, die möchten, in das Stundengebet (Non) der Schwestern in der Kirche des Karmel Heilig Blut.

Datum:   jeden 1. Freitag im Monat
Zeit:        jeweils 14.30 Uhr
Ort:         Todesangst Christi Kapelle

Termine
: 3. Juni  /  1. Juli  /  5. August  /  2. September


 
Jeden Freitag | 12.30 Uhr

Ökumenisches Versöhnungsgebet
unter dem Nagelkreuz von Coventry

Jeden Freitag laden wir zum ökumenischen Versöhnungsgebet unter dem Nagelkreuz von Coventry ein. Vom englischen Coventry, dessen Kathedrale im November 1940 von deutschen Bombern zerstört wurde, ging schon im Krieg der Ruf zur Versöhnung aus. Zum Symbol wurde das Kreuz, das aus drei mittelalterlichen Nägeln aus den Ruinen geformt wurde. Heute gibt es weltweit mehr als 240 Nagelkreuzzentren, die in diesem Geist für Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung arbeiten und so eine lebendige Erinnerungs- und Erzählgemeinschaft bilden.

Am 8. Mai 2012, dem Jahrestag des Kriegsendes in Europa, hat Canon (Domkapitular) David Porter von der Kathedrale von Coventry, die 1940 von deutschen Bombern zerstört wurde, ein Nagelkreuz von dort für die Ökumenische Gemeinschaft der Evangelischen Versöhnungskirche und der Katholischen Seelsorge in der KZ-Gedenkstätte Dachau überbracht. Wir sind damit Teil der weltweiten Nagelkreuzgemeinschaft.

Jeden Freitag um 12.30 Uhr laden wir zum Versöhnungsgebet von Coventry in die Versöhnungskirche ein!


Links:
Nagelkreuzgemeinschaft
Verschiedene Informationen
LINK zum aktuellen Versöhnungsgebet
Hinweis im Sonntagsblatt vom 4. Februar 2021

Dokumente:
Pressebericht von der Übergabefeier des Nagelkreuzes
Predigt von Canon David Porter am 8. Mai 2012 bei der Übergabe des Nagelkruzes