Todesangst Christi Kapelle

Die Kapelle

Die katholische Todesangst-Christi-Kapelle entstand auf Initiative des Münchner Weihbischofs
Johannes Neuhäusler, der als Mitglied des Münchner Domkapitels ehemaliger Dachau-Häftling
(Verhaftung 4.2.1941 bis 29.04.1945) unermüdlich in der Öffentlichkeit für den Bau geworben hatte.
Sie war der erste größere und markante kirchliche Bau, der als geistlicher Ort der Erinnerung, der Mahnung und des Gedenkens auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers errichtet wurde.

Die Andachtsstätte wurde anläßlich des Eucharistischen Weltkongresses am 5. August 1960 eingeweiht. Bei diesem Anlaß waren etwa 50.000 Menschen zur Mitfeier versammelt. Den Namen der Kapelle
"Von der Todesangst Christi" bestimmte Erzbischof (1952-1960) Joseph Kardinal Wendel, wie Neuhäusler schreibt, als "Hinweis auf die Todesangst, unter der in diesem Lager Zehntausende von Insassen jahrelang Tag und Nacht gelitten hatten". (In den zwölf Jahren seines Bestehens gingen nach den Ermittlungen des Internationalen Suchdienstes über 200.000 Häftlinge durch das KZ Dachau - davon überlebten ca. 40.000 nicht.)

Den monumentalen, turmartigen Rundbau, der vorne offen ist, entwarf der Münchner Professor
Josef Wiedemann. Das Bauwerk besteht aus unbehauenen Kieselsteinen, die innen und außen um eine Stahlbetonwand errichtet wurden. Das Geröll entnahm man dem Isarbett bei Lenggries. Bundeswehrsoldaten brachten die Steine auf Fahrzeugen der Fliegerschulen A in Landsberg am Lech und B in Fürstenfeldbruck nach Dachau.
Über dem Eingang zur Kapelle, die 13,60 Meter hoch ist und die einen Durchmesser von 14,20 Metern hat, befindet sich eine 550 Kilogramm schwere Dornenkrone aus Kupfer.

An der Stirnseite (außen) der Kapelle befindet sich ein Gedenkrelief aus Bronze mit einem Christusbildnis („Christus in der Rast“), das von dem Bildhauer Benedykt Tofił geschaffen wurde und von ehemals inhaftierten Geistlichen aus Polen gestiftet wurde. Die Tafel berichtet in polnischer, deutscher, französischer und englischer Sprache von den Leiden der polnischen Häftlinge in Dachau, die mit 40.000 die größte Gruppe der Gefangenen bildeten (siehe auch hier).
Im Beisein von Erzbischof (1961-1976) Julius Kardinal Döpfner hat der Dachau-Überlebende polnische Weihbischof (und spätere Erzbischof von Stettin-Cammin) Kazimierz Majdański diese Tafel am 20. August 1972 enthüllt, die auf seine Initiative hin hier angebracht worden war.



Die Glocke

Vor der Kapelle ist auf einem acht Meter hohen Gerüst eine 3000 Kilogramm schwere Glocke befestigt, die ehemalige Häftlinge aus Österreich und die österreichische Bundesregierung stifteten. Sie wurde auf Anregung des Innsbrucker Schlossermeisters Emmerich Hornich, der selbst im KZ Dachau inhaftiert war, von der Firma Graßmayr in Innsbruck gegossen. Die Glocke, die am 22. Juli 1961 vom Abt von Schlierbach, Berthold Niedermoser, geweiht wurde, trägt die Inschrift:

„In treuem Gedenken den toten Kameraden aller Nationen gewidmet von Dachau-Priestern und -Laien aus Österreich.“

Sie läutet jeden Nachmittag um 14.50 Uhr zum Gebet für die Opfer des Konzentrationslagers.



Die weiteren (religiösen) Gedenkstätten oder Mahnmale

  • Karmelitinnen-Kloster-Heilig-Blut (1963/64, Architekt: Josef Wiedemann)
  • Die evangelische Versöhnungskirche (1967, Architekt: Helmut Striffler)
  • Die jüdische Gedenkstätte (1967, Architekt: Hermann Zvi Guttmann)
  • Die russisch-orthodoxe Christi-Auferstehungskapelle-Gedächtniskapelle (1995)
  • Die Mahnmale im Krematoriumsbereich
  • Katholische Kapelle Regina Pacis beim KZ-Friedhof am Leitenberg bei Dachau-Etzenhausen
    (1963, Architekt: Ronca Euena Vigasio)